Ergänzung zum Buch

 

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Die globale Denkgestalt

Grundriss eines Universalschemas zur vereinheitlichten Darstellung von Prozessen

 

Inhaltsverzeichniss:

 
Die globale Denkgestalt ist eine Möglichkeit, Prozesse und Phänomene in vereinheitlichter Form zu beschreiben und darzustellen. Sie ist eine Ableitung aus der nichtklassischen Theorie der Selbststeuerung,  die Anfang der 1990er Jahre von Walter Dürr,  Professor em. am Fachbereich Erziehungswissenschaft  an der Freien Universität Berlin, entwickelt wurde.
 
Die Gestalt, die sich hinter Universalitätsmodellen verbirgt, ist die Vereinheitlichung von wahrgenommenen Phänomenen. Die globale Denkgestalt klammert keinen Gegenstandsbereich aus und sie ist selbstreferentiell.
 
 
 
 
Die nichtklassische Theorie der Selbststeuerung, die von Professor Dr. Walter Dürr – FU Berlin -  entwickelt wurde,  war der Ausgangspunkt für die Entwicklung des Universalschemas “Globale Denkgestalt“. Bestandteil dieser Theorie ist ein Schema:
 
 
Abb. 1
 
 
Zu diesem Schema schreibt Prof. Dr. Walter Dürr:
 
„Die Theorie besagt, dass die Steuerung, d. h. die Herausbildung von Kohärenz und Korrespondenz stets durch das System selbst erfolgt, „daß es so etwas nicht gibt wie Instruktion von außerhalb der Struktur“. (Popper 1975, zit. B. Weizsäcker 1977, 199)“ (W.Dürr 2011, 4,5)
 
In diesem Zitat stecken zwei Grundaussagen:
 
•             Die Steuerung erfolgt stets  durch das System
•             Instruktion von außerhalb gibt es nicht
 
Die Kohärenz  von Praktiken, Funktion und Struktur in Korrespondenz zu den Rahmenbedingungen wird als  System, als eine Einheit  verstanden.
 
Die  Erkenntnis,  die aus dem Universalschema gezogen werden kann, liegt in der Behauptung, dass Prozesse und Phänomene in vereinheitlichter  Form dargestellt werden können. 
 
Die Ursache hierfür ist die Möglichkeit, Informationen  zu segmentieren:
 
Das erste Segment ist eine Zusammenhangsdarstellung.
 
Im Jahr 1938 definiert C. Morris in der Semiotik drei verschiedene Aspekte eines Zeichens: der syntaktische Aspekt, der semantische  und der pragmatische Aspekt (vgl. D. Lochmann, 2006 S.31).
 
Walter Dürr schreibt:
 
„Sofern diese Dimensionen der Information, Syntaktik, Semantik und Pragmatik sich als wechselseitig aufeinander bezogen erweisen, kann angenommen werden, dass sie sich in Kohärenz zueinander befinden, ein Ordner bzw. ein Ordnungsparameter entstanden ist, der den Gesetzen der Synergetik genügt.“  (W. Dürr 2001, S.4).
 
Das zweite Segment ist die wechselseitige Übereinstimmung mit den äußeren Bedingungen der Existenz  , die Korrespondenz (vgl. W.Dürr 2001,S 4).
 
Die vereinheitlichte Darstellung von Phänomenen und  Prozessen sowie die Segmentierung von Information ist an sich nichts Neues. Die Wissenschaft  ist  bemüht, allgemeine Beschreibungs-und Erklärungsansätze zu schaffen. Hierfür ist die Systemtheorie von Niclas Luhmann oder die  Quantentheorie ein schlagender Beweis. Der Unterschied zu anderen mir bekannten Vereinheitlichungskonzepten liegt  auf der Ebene des Abstraktionsgrades. Das Universalschema hat einen  Abstraktionsgrad, der die Aussage rechtfertigt, dass es keine Prozesse oder Phänomene  gibt, die sich nicht mit dem Universalschema beschreiben und darstellen lassen, natürlich auf der Basis eines individuellen Kenntnisstandes. Das Universalschema kann dazu genutzt werden, x-beliebige Wahrnehmungen zu reflektieren. Jede Wahrnehmung kann, wenn sie sich sprachlich ausdrücken lässt, als Struktur, Funktion, Vorgang oder Rahmenbedingung angesehen werden. Das Universalschema weist alle vier Begriffe  auf. Universalität  bedeutet absolute Gewissheit auf phänomenologischer Basis. Die Absolutheit des Universalschemas „Globale Denkgestalt“ wird auf der Basis von Phänomenen bestätigt oder bezweifelt.
 
 
Ein möglicher Unterschied zwischen Prozessen und Phänomenen  liegt in den Begriffen „offen“ und „geschlossen“, bezogen auf die Struktur der Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft).  Die Reflexion von Phänomenen ist die Besprechung von Erscheinungen, die beendet (abgeschlossen) sind. Regelbasiertes Verhalten, das sich aus abgeschlossenen Erscheinungen erkennen lässt, ist die Grundlage zum Erstellen von Prognosen.  Prozesse bedeuten Veränderung in der Zeit. Prozessbeschreibungen sind offen,  d.h. zukunftsgerichtet. Zu einer Prozessbeschreibung gehört die Benennung erkannter Möglichkeiten, die sich ergeben können. Die Gegenwart ist der Vollzug – die Realisierung - bestimmter  Möglichkeiten. Sie ist  der Moment, der einen bestimmten Prozessausschnitt zu einem Phänomen  transformiert.  Die Veränderung ist vollzogen, das Phänomen ist da. 
 
 
Walter Dürr schreibt:
 
„Diese Theorie der Selbstorganisation [gemeint ist die nichtklassische Theorie der Selbststeuerung]  erhält jedoch, wenn man den Überlegungen Weizsäckers folgt, wie es hier geschieht, ihren eindeutigen Sinn erst im Rahmen des heute möglichen Verständnisses der Quantentheorie.“ (W. Dürr 2001,3).
 
Carl Friedrich von Weizsäcker  schreibt  zum Verständnis der Quantentheorie:
  • „Die Quantentheorie, völlig allgemein, also abstrakt formuliert, macht keinerlei Voraussetzungen des Inhalts, daß ihre Objekte Körper im Raum sein müßten. Sie ist eine Theorie der Wahrscheinlichkeitsprognosen für beliebige entscheidbare Alternativen.“ (C.F. v. Weizsäcker, 1991, 97) 
  • „Soweit mein Bewußtseinszustand Gegenstand einer logisch formulierbaren und faktisch entscheidbaren Alternative sein kann, wird er der abstrakten Theorie aller Prognosen für Alternativen, eben der Quantentheorie, genügen. “  (C.F. v. Weizsäcker, 1991, 97) 
Im Rahmen des Universalschemas globale Denkgestalt beschreibt die Funktion  den Zweck und die Möglichkeiten, die sich aus einem Vorgang ergeben (vgl. P.Hollitzer, 2001,23). Möglichkeiten sind mögliche empirische Befunde.
 „Die Quantentheorie als Theorie der Möglichkeiten erweist sich stets als offen für eine Fülle von Möglichkeiten, die in jeder konkreten Situation gegeben sind.“(T. und B.Görnitz 2002, 332) Möglichkeiten können eintreten oder  nicht eintreten.  „Die Gegenwart ist Wirklichkeit. Wirklichkeiten sind zum Zuge gekommene Möglichkeiten. Wenn aus den Möglichkeiten A, B, C die Möglichkeit B zum Zuge kommt, dann ist diese Möglichkeit zur Wirklichkeit geworden “(P.Hollitzer, 2011, 27/28). 
 
Anton Zeilinger schreibt:  „Wenden wir uns aber nun der Interpretationsfrage zu und diskutieren wir einige Ansätze, die von verschiedenen Physikern vorgeschlagen wurden. Als zentrales Problem wird allgemein das Superpositionsprinzip angesehen. Wir erinnern uns: das Superpositionsprinzip besagt, dass Dinge in einer eigenartigen Überlagerung von verschiedenen Möglichkeiten existieren können.“(A. Zeilinger 2003 S.149)
Für Werner Heisenberg zeigt sich die Wirklichkeit  als ein  Mehr von Möglichkeiten, mit berechenbaren Wahrscheinlichkeiten für ihre Realisierung. Heisenberg spricht von Potenzialität.
 
 
 
Menschen sind in der Beschreibung und in der Darstellung verortet. Zum Beispiel kommen bei N. Luhmann  Menschen nicht vor. Sein theoretischer Ansatz rechtfertigt diese Vorstellung, auch wenn sie manchmal missverstanden wird. Luhmann hat eine allgemeine Theorie über soziale Systeme entwickelt.  Luhmann gibt eine Erklärung dafür, wie sich soziale Systeme regelbasiert konstituieren.  Das Universalschema „Globale Denkgestalt“ hat einen anderen Ansatz. Es bietet keinen allgemeingültigen Erklärungsansatz für  Erscheinungen. Mit der globalen Gestalt lassen sich verschiedene Erklärungsansätze in  vereinheitlichter Form vergleichen. Welchen Auswirkungen oder Nutzen ein Universalschema auf die zwischenmenschliche Kommunikation und das Lernverhalten haben, kann im Rahmen einer  allgemeinen Frage, die auf dem Gebiet der kognitiven Informationsverarbeitung, genauer gesagt im Spannungsfeld von Erstmaligkeit und Bestätigung als Aspekte der pragmatischen Information liegt , beantwortet werden . Die  Frage lautet:  Wie verändert sich die Qualität des Transferwertes von Informationen, wenn ein gemeinsam benutztes Konzept zur visuellen Darstellung von Information kognitive Bestätigung erfährt?
 
 
Abb. 2 „Pragmatische Information zwischen Erstmaligkeit und Bestätigung
                        (nach Chr. Und E.U.v. Weizsäcker, verändert)“  T. u. B. Görnitz (2002, S. 168)
 
 
„Ch. Und E.U. v. Weizsäcker  sprechen von „pragmatischer Information „, die ihr Maximum zwischen Erstmaligkeit und bloße Bestätigung annimmt. Eine erstmalige Information kann noch nicht mit einer Bedeutung versehen werden. Eine immer wiederkehrende gleiche Information hat ihrerseits ebenfalls keine Bedeutung – mehr, muss man sagen. Sie bestätigt nur noch ein sowieso bekannten Zustand.“ T. u. B. Görnitz (2002, S. 168)
 
 
 
Dürr, W.:
Der Begriff des Selbstgesteuerten Lernens. 2001.
 
Görnitz, T.u.B.:
Der Kreative Kosmos Geist und Materie aus Information. Heidelberg- Berlin 2002. Spektrum Akademischer Verlag 
 
Hollitzer, P.:
Dir globale Denkgestalt Grundriss eines Universalschemas zur vereinheitlichten Darstellung von Prozessen. München 2011. Literareon im Herbert Utz Verlag GmbH
 
Lochmann,D.:
Vom Wesen der Information Eine allgemeinverständliche Betrachtung über Information in der Gesellschaft, in der Natur und in der Informationstheorie. Norderstedt 2006. Books on Demand
 
Weizsäcker, C.F.v.:
Der Mensch in seiner Geschichte. München 1991. Carl Hanser Verlag
 
Zeilinger, A.:
Einsteins Schleier Die neue Welt der Quantenphysik. München 2003. Verlag C.H. Beck oHG